Casino Tennis Gesellschaft Kempen
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Chronik

Die Geschichte der Casino Tennisgesellschaft

Ein Verein im Wandel der Zeit

Als sich im Tennisverband Niederrhein die Nachricht verbreitete, dass die Casino Tennisgesellschaft im August 2006 200 Jahre alt wird, staunten viele Experten. Selbst beim Deutschen Tennisbund in Hamburg wirkten die Verantwortlichen der Pressabteilung angesichts dieser Zahl recht ungläubig, Keine Frage, das Casino ist der älteste Tennisverein Deutschlands. Doch Tennis gespielt wird hier erst seit 99 Jahren. Zwei Vereine in Deutschland können auf eine noch längere Geschichte des weißen Sports zurückblicken. Beim Cannstatter TC wird seit 1891 gespielt, bei Rot-Weiß Baden-Baden seit 1881.

1806 gehörte Kempen zu Frankreich. Der anerkannte Kreisarzt Dr. Heinrich Kauerz und Peter Josef Bister, der damals im ehemaligen Franziskanerkloster die Secundärschule leitete, gründeten eine Gesellschaft zur Förderung der Geselligkeit und des Miteinanderverbundenseins. Sinn und Zweck war die Pflege des gesitteten Umgangs und des anständigen Vergnügens. Wo tagten nun die Mitglieder? In dem Protokoll der Generalversammlung vom 1. Oktober 1824 wird das Haus Krah an der Mülhauser Straße als Gesellschaftslokal bezeichnet. Man tagte auch am Markt im Gasthof Keuter (heute Heiliggeistkapelle).
Das Jahr 1841 war entscheidend für die spätere Entwicklung unseres Vereins. Die geschlossene Gesellschaft nahm den Namen Casino an. In den Statuten stand zum Beispiel, dass das Tabakrauchen bei Bällen und Konzerten im Saal nicht gestattet ist. Die Statuten der Gesellschaft Casino wurden vom Landrat Förster genehmigt.
Am 24. September 1842 erwarb die Gesellschaft von Heinrich Kehren, Ackerwirth in Kempen für 1550 preußische Taler ein Wohnhaus an der Engelstraße (heute Engerstraße/Enger-Apotheke). Dort trafen sich die Kempener Herren fast jeden Abend, um bei Kerzen und Petroleumlicht ihren Wein oder ihr Bier zu trinken. Sie lasen in damaligen großen Zeitungen, besprachen politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme und natürlich auch über ihre täglichen Sorgen. Sie veranstalteten Bälle zur Kirmes und zur Fastnacht. Konzerte fanden auch statt. Man spielte Karten und Billard. Durch Hauskauf und Umbaumaßnahmen war das Geld knapp. Man spielte in der damaligen Lotterie mit. Das trug 1861 erstmals Früchte, als die Gesellschaft einen nennenswerten Betrag, nämlich 205 Taler, gewann und damit Schulden tilgte. Fünf Jahre später wurde das Casino im Austausch mit der evangelischen Kirchengemeinde vergrößert. In den Folgejahren ereignete sich nicht viel. Die Finanzlage blieb angespannt. 40 Jahre nach dem Hauskauf war die Hypotheken-Schuld immer noch nicht gelöscht. 1893 drohte dem Casino erstmals das Ende. Eine Reihe von Mitgliedern hatte die Auflösung beantragt. Bei der Abstimmung fehlte aber die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit.
1896 erlebte das Vereinsleben in Kempen einen wahren Boom. Die meisten Vereine waren nach der Revolution von 1848/49 entschanden. Nur das Casino und die alte Bruderschaft waren älter. Auch das Casino erlebte einen neuen Auftrieb. Der Vorstand erhielt 1899 den Auftrag, ein Grundstück für einen Neubau zu finden.

Bereits nach einem Monat wurde der Ankauf der Gärten am Hessenring beschlossen. Per Kaufvertrag vom 10. August 1899 ging das Grundstück des Mönchengladbacher Fabrikbesitzers Arthur Lamberts für 5953, 50 Mark in den Besitz des Casinos über. Am 29. Januar kommt es zur Vereinigung der beiden Gesellschaften Casino und Leseverein. Beide Gruppen einigen sich auf den Namen Casino. Im Oktober wird der Kempener Bauunternehmer Jakob Pegels beauftragt, für 35000 Mark ein Vereinshaus zu bauen, das bereits ein Jahr später bezogen werden konnte.

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Aufgrund der veränderten Lebensverhältnisse wurde 1903 eine Bücherei eröffnet, 1904 eine Billardkommission ernannt und die Kegelordnung festgelegt. Am 28. April wird die Errichtung eines Tennisplatzes erwogen und dafür eine Kommission gebildet. Am 18. November 1906 wurde das 100 jährige Stiftungsfest gefeiert. Im April 1907 wurde das Casinogrundstück für den Bau des Tennisplatzes erweitert.
Der 1. Weltkrieg stoppte dann die erfreuliche Entwicklung der Gesellschaft. Das Vereinshaus wurde 1918 für ein Jahr von belgischen Besatzungstruppen beschlagnahmt. Die Mitglieder tagten zunächst im Hause des Kreisarztes Dr. Herbst, später bei Amtsgerichtsrat Büttgenbach.

1920 wurde die Räume wieder frei. Ganz langsam begann sich das Vereinsleben wieder zu entwickeln. Dabei spielten die Kegelclubs eine wichtige Rolle. Am 15. Dezember 1932 wurde erstmals der Casino-Wanderpokal ausgekegelt.
Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht gekommen waren, drohte dem Casino Unheil. Ein Mann der Deutschen Arbeiterfront hatte ein Auge auf das Haus am Hessenring geworfen. Doch die Grundstücke waren mit so hohen Belastungen belegt worden, dass der Erwerb uninteressant war. Dennoch, die Zeit nach dem 2. Weltkrieg war unerfreulich. Das Haus wurde beschlagnahmt und mit Flüchtlingen zwangsbelegt. Vier Jahre mussten die Mitglieder auf das Vereinshaus verzichten. Da aber gerade in dieser schweren Zeit der Gemeinschaftsgeist stark ausgeprägt war, traf man sich regelmäßig in der Gaststätte Pasch am Luisenplatz. Unter dem Vorsitzenden Hermann Herfeldt, der seinem 1941 verstorbenen Schwiegervater Bommers folgte, gelang es trotz Hungersnot, Schwarzmarkt, Inflation und Währungsreform den Verein zusammenzuhalten.
Ende 1949 wurde das Vereinshaus in einem völlig desolaten Zustand seinen Mitgliedern zurückgegeben. Aus der Wandvertäfelung wurde zum Beispiel Brennholz, aus Vorhängen und Dekorationen Kleider und Decken gemacht. Insgesamt war aus dem gepflegten Haus der Vorkriegszeit ein Dreckstall geworden. Die gewährte Entschädigung reichte bei weitem nicht aus, die entstandenen Schäden zu beheben. Da das Geld knapp war, dauerte es viele Jahre, bis das Nötigste repariert war. Der gute alte Tennisplatz war zwar damals wieder für den Spielbetrieb hergerichtet worden, doch die sportlichen Ambitionen waren eher bescheiden. Sie beschränkten sich auf den Kreis weniger Mitglieder. Mannschaftsspiele gegen andere Vereine waren die Ausnahme. Dagegen erlebte das gesellige Leben des Vereins einen Aufschwung. Unsere älteren Mitglieder schwärmen noch heute von den rauschenden Festen, die Jahr für Jahr an Karneval gefeiert wurden. Samstags und Rosenmontag tobten die Erwachsenen, Veilchendienstag die Kinder und Jugendlichen. Auch der kulturelle Bereich kam mit Musikabenden, Dia-Vorführungen, Kunstausstellungen oder Vorträgen nicht zu kurz.

1954 war ein weiteres wichtiges Jahr für das Casino. Der damalige Vorstand wollte mehr junge Leute für den Verein begeistern und diesen damit auf Dauer lebensfähig zu machen. Dieses Ziel sollte auf sportlicher Basis erreicht werden. Das Grundstück wurde erweitert und der Bau von zwei weiteren Plätzen beschlossen. So sollten neue Mitglieder gewonnen werden. Um in den Genuss öffentlicher Mittel zur Sportförderung zu kommen, gründeten die tennisbegeisterten Mitglieder den CTC-Casino-Tennisclub, der am 5. April 1954 unter der Nummer 100 in das Vereinsregister Kempen eingetragen wurde. Noch im gleichen Jahr wurde der CTC Mitglied im Tennisverband Linker Niederrhein. Mit dem Verein Casino wurde am 15. Oktober 1955 ein auf 30 Jahre befristeter Pachtvertrag über die Tennisanlage abgeschlossen. Der CTC erhielt eine eigene Satzung. Im §2 heißt es: Der Zweck des Vereins ist, auf gemeinnütziger Grundlage den Tennissport zu fördern und seine Interessen zu wahren. Den Vorsitz des CTC hatte seit der Gründung Dr. Heinz te Neues, ab 1957 Bernd Janssen. Während in der Casino-Gesellschaft das Vereinsleben bedingt durch ständig wachsende Reparaturkosten am und im Gebäude sowie zunehmende Schwierigkeiten in der Besetzung der Ökonomie eher rückläufig war, wurde der Spielbetrieb im Tennisclub von Jahr zu Jahr erweitert. Die Mitgliederzahl stieg, das Spielniveau verbesserte sich. Verbindungen zu benachbarten Vereinen wurden geknüpft und neben den jährlichen Clubmeisterschaften größere Freundschaftsturniere gespielt. Spielstarke Mitglieder beteiligten sich auch an den Verbandsmeisterschaften. Ende 1959 hatte der CTC 107 Mitglieder (91 Aktive und 16 Passive). Es gab aber Probleme wegen der Pflege der Plätze, der Umkleide- und Duschmöglichkeiten (es gab nur eine kleine Bretterbude am alten Platz) und vor allem wegen der Ökonomie des CTC. Während es schon damals üblich war, dass sich Mitglieder und Gäste nach dem Tennisspiel im Clubhaus zu einem Getränk oder einem Imbiss zusammensetzten, mussten damals sehr oft die Spieler ohne Dusche und Bier nach Hause fahren, selbst nach größeren Turnieren. Dank der Initiative des CTC-Vorsitzenden Bernd Janssen wurde aus dem CTC und der Casino Gesellschaft am 22. April 1961 die Casino Tennis-Gesellschaft, die nach dem Zusammenschluss 179 Mitglieder hatte. Zum Vorsitzenden wurde Paul Rullmann gewählt. Der 2. Vorsitzende hieß Bernd Janssen (ab 1963 Dr. Manfred te Neues).Die durch diese Fusion entstandene Euphorie war schnell verflogen. Denn die Rahmenbedingugen blieben unbefriedigend. Es gab zwar Überlegungen, Gebäude und Gelände mit der Stadt gegen eine neue Anlage im Grüngürtel zu tauschen, doch das hätte erst in zwei bis drei Jahren verwirklicht werden können. Daher wurde auf der Versammlung vom 10. Mai 1965 beschlossen, ein Umkleidegebäude im hinteren Teil des Gartens zu bauen. Ende des Jahres hatte die alte Bretterbude ausgedient. Umkleidepavillon und Zuschauerterrasse wurden eingeweiht.
1966 übernahm Dr. Eduard Burlage den Vorsitz. Die folgenden Jahre brachten zwar einen ständigen Aufschwung des Tennisbetriebs, doch das marode Vereinshaus belastete die Kasse enorm. Das gesellschaftliche und kulturelle Leben stagnierte. 1972 übernahm Jan te Neues den Vorsitz, der im letzten Jahr für 50 jährige Mitgliedschaft im Casino geehrt wurde. Aufgrund der schlechten Finanzlage erarbeitete der Vorstand verschiedene Lösungsmöglichkeiten. 1. Renovierung des vorhandenen Clubhauses. 2. Neubau eines Clubhauses auf dem hinteren Gelände und Verkauf des vorderen Teils mit Anbauten. 3. Verkauf der gesamten Anlage und Neubau im Sportzentrum.

 

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Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile entschied die Mitgliederversammlung vom 29.März 1973 sich für den Vorschlag drei. Doch mit einer kurzfristigen Umsiedlung war angesichts der Rezession auf dem Baumarkt nicht zu rechnen. Als Übergangslösung wurde ein Teil des Gebäudes am Hessenring an die Stadt für ein Jugendzentrum vermietet. Der Tennissport blieb davon unberührt. 1973 hatte der Verein 60 Jugendliche. Die Zahl der Medenmannschaften nahm zu. Die sehr schleppend verlaufenden Verhandlungen wegen des Verkaufs der alten Anlage wurden plötzlich beschleunigt. Die Firma Horten war auf der Suche nach einem geeigneten Gelände für ein Warenkaufhaus und hatte das Casino-Gelände im Auge

 

Im Juli 1975 wurde der Vorstand beauftragt, die Anlage Hessenring zu verkaufen und im Sportzentrum eine neue Tennisanlage zu bauen. Der 1. Vorsitzende Jan te Neues hatte durch sein Engagement wesentlichen Anteil am Gelingen der Umsiedlungsmaßnahmen. Am 11. Juni 1976 gab das Architekturbüro Ruland und Stelzer die vier neuen Tennisplätze frei. Das Clubhaus nebst Wohnung wurden im darauf folgenden September eingeweiht. Damit hatte das Casino sein drittes eigenes Domizil.

 

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Die neue attraktive Anlage löste lange Zeit eine Welle von Eintrittsgesuchen erwachsener und jugendlicher Bewerber aus. Ihnen konnte nur in beschränktem Umfange stattgegeben werden, um die Spielmöglichkeiten nicht auf ein unzuträgliches Maß reduzieren zu müssen. 1980 wurde daher der Bau des fünften Platzes beschlossen. In den folgenden Jahren ging auch am Casino der Aufschwung des Tennissports zum Volkssport nicht spurlos vorbei. Das spiegeln die Protokolle der Jahreshauptversammlungen wider. In der Hauptsache ging es um Fragen der Bewirtschaftung des Clubhauses, ob Verpachtung oder Geschäftsführung, um Mitgliederangelegenheiten, um die Ausgabe von Verzehrmarken, um den Trainings- und Spielbetrieb, um den Erhalt und die Pflege der Anlage, um Platzordnung oder gesellige Veranstaltungen.

Als der Becker-Boom stark nachließ, kehrten auch dem Casino viele Mitglieder den Rücken. Aufgrund der hohen Altersstruktur wechselten viele Tennisspieler zum Golf oder mussten aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Die Zahl der aktiven Mitglieder sank fast auf unter 100. Mitte der neunziger Jahre hatte der Verein nur noch wenige Jugendliche. Der Mitgliederschwund konnte gestoppt werden. Seit Anfang 2000 geht die Mitgliederzahl sogar wieder kontinuierlich nach oben. Besonders im Jugendbereich ein toller Aufschwung zu verzeichnen, der im Tennisverband fast beispiellos ist. Innerhalb kurzer Zeit wurde die Zahl von 50 auf 100 verdoppelt. Das Casino hat sich im Laufe der Jahr zu einem Club entwickelt, in dem jeder Bürger der Stadt Kempen und Umgebung willkommen ist. Aufgrund der Vorstandsarbeit in den letzten zehn Jahren steht das Casino nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich auf sehr gesunden Füßen. Lediglich das etwas in die Jahre gekommene Dach des Clubhauses könnte in den kommenden Jahren ein Loch in die Vereinskasse reißen. Ansonsten sorgten in diesem Jahr umfangreiche Renovierungsmaßnahmen dafür, dass Clubhaus und Pächterwohnung in einem sehr guten Zustand sind. Insgesamt gehört unsere Tennisanlage zu den schönsten im Tenniskreis Viersen oder sogar darüber hinaus. Die Casino Tennis-Gesellschaft hat in ihrer langjährigen Geschichte stets bewiesen, dass sie Probleme meistern und sich dem Wandel der Zeit anpassen kann. Der Vorstand ist zuversichtlich, dass sich auch in Zukunft Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Casino wohl fühlen und Freude am Tennis haben werden.